Betagt, aber vital: Geburtstagskind hat noch viel vor

Mitreißende Feier mit vielstimmigem Jubel und jungen Theatertalenten

IMG_2495Rote, gelbe und weiße Schals standen für die Farben von Oberweier beim Festakt in der Waldsaumhalle am vergangenen Samstag: Zum bunten Finale kamen alle Akteure nochmals auf die Bühne, um „We are the World“ zu intonieren. Den allerletzten Schlussakkord setzte danach selbstredend das Badnerlied. OB Arnold überreichte OV Matzka als „Gutschein“ für eine Linde einen Bonsai.

IMG_2388Mit 900 Jahren (mindestens) ist das Geburtstagskind betagt, keine Frage. Dass es aber dennoch sehr vital ist, davon konnte man sich am Freitagabend vergangener Woche in der Waldsaumhalle Oberweier überzeugen. Vielstimmig erscholl beim Festakt zum Jubeljahr anlässlich des 900. Geburtstags des Ortes das Bekenntnis zu einem lebendigen Dorf, das in einem Jahr voller Höhepunkte zeigen möchte, was seine Bewohner auf die Beine stellen können. Der eigens gegründete Projektchor unter der Leitung von Margit Binder wurde am diesem Abend erstmals zum Sprachrohr der Bevölkerung und vermittelte die Lust am Feiern ebenso wie die pure Freude am Dasein. Ebenso zu begeistern wussten die jungen Theatertalente der Grundschule Oberweier, die mit gespitztem Griffel Ortsvorsteher, Schulrektor und den Sinn des Lernens „aufspießten“ und dafür mit viel Applaus belohnt wurden.
Der Musikverein unter der Leitung von Michael Strobel stand stellvertretend für das vitale Vereinsleben im Ort und rundete die Veranstaltung musikalisch ab. Die Waldsaumhalle konnte die Besuchermassen am Festaktabend kaum fassen. Ortsvorsteher Wolfgang Matzka begrüßte im vollen Haus zunächst die Einwohner des Ortes.

IMG_2520Neben Oberbürgermeister Johannes Arnold hieß er dessen Amtsvorgänger, Josef Offele und Ehrenbürger Dr. Erwin Vetter willkommen, außerdem Anneke Graner MdL und Werner Raab MdL sowie Axel E. Fischer MdB, die Pfarrer Dr. Merz und Dr. Maaßen, Dr. Robert Determann vom Kultur- und Sportamt der Stadt, sämtliche Ortsvorsteherkolleginnen und –kollegen, Abgesandte aus den Nachbargemeinden, Ortschaftsräte, Gemeinderäte, Repräsentanten von Sponsoren Unternehmen und Firmen, von Vereinen und Organisationen, die Organisatoren des Fests, die Autoren und Mitwirkenden der Festschrift und viele mehr. Nach einem kleinen Exkurs in die Historie Oberweiers leitete Matzka zur Gegenwart über, die ebenso von der Geschichte geprägt sei wie durch jeden Einzelnen, der im Laufe der Zeit seinen Fußabdruck hinterlassen hat.

Denn heute präsentiere sich Oberweier als begehrter Wohnort, was mit ein Verdienst seiner Amtsvorgänger sei, der Dorfältesten und Bürgermeister, aber auch ein Verdienst von Ortschaftsräten, die das Wohl des Stadtteils im Blick hatten und haben, ohne das Gedeihen der Gesamtstadt aus dem Auge zu verlieren, so Matzka. Traditionen seien in Oberweier trotzdem lebendig geblieben in einem Maße, das gelegentlich vermuten lasse, dass die Zeit stehen geblieben sei. Kirche, Kneipe und Rathaus seien gewöhnlich die Mittelpunkte eines Ortes. Während sich das Rathaus saniert präsentiere, werde nun statt der Kirche erst mal der Kindergarten in Schuss gebracht.

Für das neue Baugebiet sei noch für das Jubiläumsjahr, wenn alles klappe, der erste Spatenstich in Sicht, Breitbandausbau und Ortskernsanierung stünden an. Das Vereinsleben in Oberweier sei lebendig, zahlreiche Angebote prägten den Jahreslauf. Die Resonanz auf die Jubeljahraktionen vom Projektchor bis zur Baumpflanzaktion sei überwältigend gewesen, auch von Seiten der Stadt sei viel Unterstützung gekommen. Oberweier, so Matzka, habe sich bei Wünschen an die Verwaltung immer bescheiden gezeigt, dieser Weg sei mit Sicherheit der richtige. „Nice to have“ sei daher nicht die Maxime, die Infrastruktur müsse jedoch funktionieren. Trotz des prognostizierten Einwohnerrückgangs in den kommenden Jahrzehnten zeigte sich Matzka optimistisch, dass Oberweier bleibe, was es ist: eine Idylle und eine heile Welt für Kinder. „Wenn sich die Einwohnerschaft weiter so engagiert, bleibt Oberweier lebendig und attraktiv, dann werden wir auch bald eine Kneipe haben“, so der Ortsvorsteher. „Bürgerschaftliches Engagement ist der Klebstoff für eine Gemeinschaft, der Ausdruck von Identität und der Liebe zur Heimat“, merkte OB Arnold an, der vor allem die jungen Akteure der Feier sehr lobte. Ein Ergebnis dieses Engagements sei, dass Oberweier im Jubiläumsjahr ins Landessanierungsprogramm aufgenommen worden sei. Das „Jubiläumsgeschenk“ der Landesregierung, 500.000 Euro, werde aus dem Stadtsäckel um weitere 330.000 Euro aufgestockt. Wichtige Weichen seien somit gestellt, auch der ersehnte Dorfladen sei auf dem Weg. Was das neue Baugebiet Gässeläcker angehe, so entstehe dort durch Mitwirken der Eigentümer aus einer zerfahrenen Situation eine gelungene Arrondierung Oberweiers. „Die Zukunft gestalten, um so die Heimat zu erhalten“, diesen Geist wünsche er sich auch für die Gesamtstadt, so Arnold. Heimat, sie könne Geburtsort sein oder Wohnort für Zugezogene, ein Ort jedenfalls, der schön und vollständig ist, wo man auf Offenheit trifft und Integrationswillen, wo Aktivität und Entwicklung walten. Auf Oberweier treffe dies alles zu: charmanter Charakter und Überschaubarkeit in der Nähe zur Kernstadt mit ihren urbanen Strukturen. Dieser Rahmen werde von der Bürgerschaft mit Leben erfüllt, denn „Lebensqualität entsteht durch achtsame Rückbesinnung und fortschrittliche Zukunftsorientierung.“ Die Grundlagen für eine rauschende 1000-Jahr-Feier seien also gelegt, so der Oberbürgermeister.

Stellvertretend für eine noch zu pflanzende Jubel-Linde überreichte Arnold dem Ortsvorsteher einen Bonsai. Für die französische Partnergemeinde Étoges gratulierte stellvertretend für den erkrankten Bürgermeister Jean-Pierre Uriel Dominique Ruffin dem Geburtstagskind, während Pfarrer Dr. Roland Merz für die katholische Seelsorgeeinheit Ettlingen Land auch im Namen von Pfarrer Dr. Thorsten Maaßen von der Luthergemeinde sprach und Oberweier Segen, Freude und eine gute Gemeinschaft wünschte. Elisabeth Führinger ergriff im Namen der Ortsvorsteher das Wort. Sie hob die gegenseitige Unterstützung der Stadtteile hervor und überreichte eine Schmucktafel mit sämtlichen Ortsteilwappen. Am Ende der Veranstaltung stand die Vorstellung der Festschrift, der Dank des Ortsvorstehers galt dabei sämtlichen Mitwirkenden und Sponsoren. Die Festschrift, die für fünf Euro in der Ortsverwaltung erhältlich ist, ging weg wie die sprichwörtliche warme Semmel, man sollte sich also sputen….

Text: Eveline Walter / Pressestelle – Redaktion Amtsblatt